April 21, 2008...8:20 Uhr nachmittags
Nachfragen erwünscht: Das Stipendium
Dass es dies gibt: Das wissen die meisten. Wie man es bekommt: Das wissen manche. Ob sie es wagen sollten: Das wissen die wenigsten.
Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Denn ein Stipendium bereichert ein Studium, weit über das Finanzielle hinaus, ungemein. Und diese Stipendien sind nicht für eine Minderheit dar, die weiß, wie man es bekommt, sondern für all die, die Besonderes bewegen - im Studium und über das Studium hinaus. Davon gibt es viele, und natürlich gibt es sie auch bei uns an der Fakultät.
Stipendien dienen der Begabtenförderung. Was genau Begabung bedeutet, ist schwer zu ermitteln, für die Begabungsforschung nicht zuletzt, und die verschiendenen Stipendiengeber haben ihre eigenen - stets plausiblen - Maßstäbe aufgestellt und Methoden entwickelt, Studenten auf diese Maßstäbe hin zu prüfen. Doch sind es stets ein paar Kriterien, die jene Begabung indizieren die die meisten Stipendiengeber für förderungswürdig halten: Es ist, jedenfalls am Anfang des Studiums noch bedeutsam, Euer Schulerfolg; es sind jetzt Eure Leistungen (ja: Noten) im Studium; es sind Eure Talente, die Ihr neben dem juristischen Können (ein, aber wahrlich nicht das einzige Beispiel: Eure Musikalität) noch habt; und es ist das Engagement, das Ihr für Andere zeigt.
Die finanziellen Mitteln, aus denen die Stipendien finanziert werden, kommen in Deutschland - grob gesagt - vor allem aus Mitteln des Bundesbildungsministeriums, werden jedoch über verschiedene Stiftungen verteilt. Die wichtigste, weil überkonfessionelle und überparteiliche, zudem auch die größte, ist die Studienstiftung des Deutschen Volkes (die auch über zahlreiche eigene Gelder verfügt). Je ein Begabtenförderungswerk unterhalten die Arbeitgeberverbände (Stiftung der deutschen Wirtschaft) und die Gewerkschaften (Hans-Böckler-Stiftung), die katholische (Cusanuswerk) und die evangelische Kirche (Studienförderwerk Viligst). Von großem Gewicht sind die Begabtenförderungswerke der politischen Stiftungen, die den Parteien nahestehen (aber ihnen - das wird gelegentlich übersehen - nicht zugehören): Die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die Heinrich-Böll-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Hanns-Seidel-Stiftung. Man muss den jeweiligen Parteien keineswegs angehören, um Stipendiat einer dieser Stiftungen zu werden.
Ich selbst bin Stipendiat einer Stiftung gewesen, und mich hat diese Zeit sehr bereichert - nicht zuletzt, weil sich unter Stipendiaten Freundschaften entwickeln, die erfahrungsgemäß sehr lange halten. Auch deshalb werbe ich sehr für Stipendien: Wer gut ist im Studium, womöglich auch gut war in der Schule und vielleicht neben dem Juristischen auch noch andere Interessen hat, der sollte über eine Bewerbung nachdenken - bei der Stiftung, die ihm zusagt. Stipendien - das sei am Rande vermerkt - lohnen sich auch finanziell.
Wer an einer Einschätzung interessiert ist, ob sich für ihn eine Bewerbung lohnen könnte oder wer mehr wissen will über die Stipendien und Wege zum Stipendium, den berate ich - so gut ich kann - gerne. Viele Grundfragen sind bei den meisten Stiftung ähnlich; ich kenne außerdem nicht nur die Stiftung, von der ich selbst gefördert worden bin.
Der Weg vom (Nur-)Studenten zum (Auch-)Stipendiaten ist nicht leicht, doch nicht sehr lang - und er lohnt die Mühe allemal. Sprecht mich an, wenn Ihr unsicher seid, ob Ihr sie auf Euch nehmen wollt und wie Ihr sie am besten auf Euch nehmen könnt.
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